Die Geschichte Schönebergs
Vom Straßendorf zum Berliner Stadtbezirk
Schöneberg wurde im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts als breites Straßendorf von deutschen Siedlern gegründet. Der Siedlungskern Schönebergs lag entlang der Hauptstraße des Dorfes. Die Dorfkirche Schöneberg lag auf der nördlichen Straßenseite der Dorfmitte. Der preußische König Friedrich II. ließ um 1750 anschließend an Schöneberg ein zweites Dorf für die Ansiedlung böhmischer Weber errichten. Dieses wurde Neu-Schöneberg genannt. Unter dem Gemeindevorsteher Adolf Feurig erfolgt 1874 der Zusammenschluss von Alt- und Neu-Schöneberg zu einer Gemeinde.
Die Gemeinde Schöneberg ließ unter Bürgermeister Adolf Feurig ihr erstes Rathaus 1874 an der Bahnstraße als Amtshaus mit angeschlossenem Gefängnis errichten. In den Jahren zuvor befand sich das Gemeindebüro in der Wohnung des Dorfschulzen.
Dem Bau eines neuen Rathauses ging eine mehrjährige Finanzierungs- und Planungs-phase voraus. Die erste Planung, vom ersten Schöneberger Oberbürgermeister Rudolph Wilde in Auftrag gegeben, stammte von Stadtbaurat Paul Egeling. Die Grundsteinlegung des Rathaues erfolgte im Mai 1911 unter Oberbürgermeister Alexander Dominicus. Die offizielle Einweihung des Gebäudes wurde im Frühjahr 1914 geplant.
Ansgar Koreng, CC BY-SA 3.0
Das Kammergericht ist das älteste deutsche Gericht mit bis heute ununterbrochener Tätigkeit. Urkundlich erwähnt wurde es erstmals 1468. Von Kurfürst Friedrich II. gegründet, übte es als Hofgericht bis zum Jahr 1735 in seinen Kammern die oberste Gerichtsgewalt aus. Von 1698 bis 1735 hatte das Kammergericht seinen Sitz im Collegienhaus an der Brüderstraße in Cölln. Im Jahr 1735 wurde es unabhängig vom Hof und bezog das Kollegienhaus in der Lindenstraße in Alt-Berlin. König Friedrich Wilhelm I. hatte hier von Philipp Gerlach das erste große Verwaltungsgebäude seiner Regierungszeit erbauen lassen, um die verschiedenen zivilen, strafrechtlichen, geistlichen und ständischen Gerichte unter einem Dach zusammenzufassen.
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Im Mai 1862 wurde von den Kirchenbehörden Berlins beschlossen, auf dem Gebiet zwischen dem heutigen Landwehrkanal und dem Dorf Schöneberg eine neue Kirche und Gemeinde einzurichten, die im April 1864 auf Order von Wilhelm I. den Namen Zwölf-Apostel-Kirche erhielt. Der Bau der heutigen Zwölf-Apostel-Kirche wurde im Juli 1870 von Wilhelm I. angeordnet, die Baugenehmigung im April 1871 erteilt und im Oktober desselben Jahres wurde in Anwesenheit des Kaisers der Grundstein gelegt.
Die Geschichte der Berliner U-Bahn nahm ihren Ursprung 1880 mit einer Anregung des Unternehmers Werner Siemens, in Berlin eine Hoch- und Untergrundbahn zu bauen. Anfang 1896 begann daraufhin Siemens & Halske mit dem Bau der ersten Strecke als Hochbahn. Als erste Linie eröffnete die Hochbahngesellschaft im Februar 1902 die Strecke zwischen Stralauer Tor und Potsdamer Platz. Die Schöneberger Untergrundbahn verlief als erste kommunale U-Bahn 1910 mit fünf Stationen zwischen Nollendorf- und Innsbrucker Platz. Damit war Schöneberg nach Berlin die zweite Stadt in Deutschland mit einer U-Bahn.
Manfred Brückels, CC BY-SA 3.0
Das Neue Schauspielhaus, auch als Metropol Theater am Nollendorfplatz bekannte ehemalige Theater, ist neben dem Hochbahnhof der U-Bahn das markanteste Gebäude am Nollendorfplatz in Schöneberg. Errichtet wurde es 1905/1906 als Neues Schauspielhaus mit Theatersaal und Konzertsaal von der Firma Boswau & Knauer. Der Autor und Theaterdirektor Herman Haller führte das Theater am Nollendorfplatz von 1914 bis 1923. Erwin Piscator eröffnete darin von September 1927 bis September 1928 die Piscator-Bühne.
Der Wittenbergplatz liegt an der Kreuzung einer Straßen- und Platzfolge, die Schöneberg und Kreuzberg miteinander verbindet. Der Platz wurde zwischen 1889 und 1892 angelegt. Das markante, kreuzförmige Zugangsgebäude zum U-Bahnhof Wittenbergplatz befindet sich in der Mitte des Platzes. An der Südwestseite des Platzes befindet sich das Kaufhaus des Westens.
Der Kaufmann Adolf Jandorf hatte mit seinem Unternehmen A. Jandorf & Co. bis 1905 sechs Warenhäuser für den einfachen Bedarf in Berlin eröffnet. Nun wollte auch er ein repräsentatives Angebot für die gehobenen Konsumwünsche der wilhelminischen Elite machen wie seine Mitwettbewerber mit dem Warenhaus Tietz um 1900 an der Leipziger Straße. Jandorf errichtete ab 1905 seine siebte Filiale unter dem neuen Namen Kaufhaus des Westens, das KaDeWe.
Die Internationale Sportpalast- und Winter-Velodrom GmbH kaufte das Gelände 1909 und beauftragte den Architekten Hermann Dernburg mit dem Bau. Bei der Eröffnung des Sportpalastes im November 1910 galt die Halle als Sensation, insbesondere wegen der Kunsteisbahn, die zu ihrer Zeit die größte der Welt war. Die Halle wurde 1973 abgerissen.
Das unter Denkmalschutz stehende Areal des Viktoria-Luise-Platzes hat die Form eines langgestreckten Sechsecks und ist nach Viktoria Luise von Preußen benannt, der einzigen Tochter von Kaiser Wilhelm II. Der Viktoria-Luise-Platz wurde im Juni 1900 eingeweiht. In der Nähe des Platzes steht das Haus des Lette-Vereins. Er geht auf den am 27. Februar 1866 von Wilhelm Adolf Lette gegründeten Verein zur Förderung der Erwerbs-fähigkeit des weiblichen Geschlechts zurück. Der Verein stand unter dem Protektorat der Kronprinzessin Viktoria von Preußen, die den Verein auch finanziell unterstützte. Er war Mitglied im Bund Deutscher Frauenvereine. Der Lette-Verein bezog 1902 das von Alfred Messel errichtete Gebäude am Viktoria-Luise-Platz.
Dirk Ingo Franke, CC BY-SA 2.0
Von 1908 bis 1910 wurde in Schöneberg ein Gaswerk (Gasometer) errichtet, insbesondere für die dringend benötigten Beleuchtungskörper und die neu entwickelten Gasherde, ein Fortschritt für jede Hausfrau.
Der Schotte William Murdoch und sein Assistent William Clegg stellten als erste Leuchtgas im großen Stil her und führten auch in ihren Fabriken eine Gasbeleuchtung ein. 1807/1808 gelang es Friedrich Albrecht Winzer, die ersten Gaslaternen zur Straßenbeleuchtung entlang der Pall Mall, City of Westminster in London in Betrieb zu nehmen. Als Datum der ersten öffentlichen Gasbeleuchtung gilt der 1. April 1814, als man im Londoner Kirchspiel St. Margareths die Öllampen von Gaslaternen ersetzte. Die ersten Gemeinden mit eigenständiger Gasindustrie auf deutschem Boden waren Hannover und Berlin, die von der Imperial-Continental-Gas-Association mit Steinkohlengas versehen wurden.
Das Auguste-Viktoria-Krankenhaus wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Architekten und Stadtbaurat Paul Egeling erbaut und 1906 eröffnet.
In der Winterfeldtstraße wurde zwischen 1922 und 1929 in zwei Bauabschnitten die seinerzeit größte Vermittlungsstelle Europas für Telefonie, damals Fernsprechen genannt und Telegrafie, Fernschreiben gebaut. Das Fernamt Winterfeldtstraße wurde von der Deutschen Reichspost nach Plänen von Otto Spalding und Kurt Kuhlow mit kreuzförmigem Grundriss und vier Innenhöfen gebaut. Nach der Fertigstellung im Mai 1929 beherbergte der Bau in zwölf je sieben Meter hohen Sälen neben der Handvermittlung, das Fräulein vom Amt für die Telefon-Ferngespräche und die Fernschreibverbindungen auch die Telefonauskunft sowie eine elektromechanische Ortsvermittlung mit Hebdrehwählern. Das erst, noch im Lichttonverfahren arbeitende Zeitansagegerät von Siemens & Halske, die Eiserne Jungfrau, nahm die Reichspost 1935 zunächst versuchsweise in Betrieb. Aus dem Fernamt sendete ab Februar 1946 der „Drahtfunk im amerikanischen Sektor“ (DIAS), Vorgänger des RIAS Berlin. Das Fern- und Telegrafenamt wurde später zum Fernmeldeamt 1 der Deutschen Bundespost Berlin.
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Das Postamt Schöneberg ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, erbaut in den Jahren 1901/1902 im Stil der Neorenaissance für die Deutsche Reichspost und bis 1927 mehrfach an- und ausgebaut. Das Postamt wurde nach Plänen der Architekten Otto Spalding und Louis Ratzeburg auf dem Grundstück einer ehemaligen Villa eines Schöneberger Millionenbauern errichtet. Seine Entstehung fiel in die Zeit eines rapiden Wachstums der damaligen Stadt Schöneberg. Gegenüber lag am Kaiser-Wilhelm-Platz das im Zweiten Weltkrieg zerstörte alte Rathaus Schöneberg. Für das Postamt kam 1907 ein Maschinenhaus für die Rohrpostanlage hinzu. 1926–1933 folgte der Anbau des Fernsprechamtes Süd unter Leitung von Fritz Nissle. Die Schmuckelemente an der Fassade sind aus Warthauer Sandstein.
Der Winterfeldtplatz in Berlin liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg im Norden des Ortsteils Schöneberg. Der in Nordsüdrichtung ausgerichtete Platz ist rund 280 Meter lang und 80 Meter breit. Auf seinem südlichen Ende steht die katholische Kirche St. Matthias. Auf dem 1893 nach dem preußischen General Hans Karl von Winterfeldt benannten Areal findet jeden Mittwoch und Samstag der größte Wochenmarkt von Berlin statt.
Die katholische Kirche St. Matthias in Berlin steht im Ortsteil Schöneberg auf dem Winterfeldtplatz. Sie gehört zu einer der ältesten und größten Pfarreien der Hauptstadt. Die im Stil der Neugotik erbaute Hallenkirche steht unter Denkmalschutz und ist eine der wenigen frei stehenden katholischen Kirchen in Berlin.
Auf der im Norden am Großen Stern mit der Siegessäule im Tiergarten beginnenden Straßenachse folgen Lützow- und Nollendorfplatz. Rund 200 Meter weiter südlich liegt der Winterfeldtplatz. Die Siegessäule auf dem Großen Stern inmitten des Großen Tiergartens in Berlin wurde von 1864 bis 1873 als Nationaldenkmal der Einigungskriege nach einem Entwurf von Heinrich Strack erbaut. Sie steht unter Denkmalschutz. Anlass zur Erbauung einer Siegessäule war der Sieg Preußens im Deutsch-Dänischen Krieg 1864. Innerhalb weniger Jahre kamen zwei weitere siegreiche Kriege hinzu, der Deutsche Krieg 1866 gegen Österreich sowie der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871. An diese drei Siege wurde mit ursprünglich drei Segmente und die krönende Bronzeskulptur der Viktoria erinnert. Eingeweiht wurde die Siegessäule zur Feier des Sedantages am 2. September 1873, dem dritten Jahrestag der siegreichen Schlacht bei Sedan. Die Säule wurde 1938/1939 vom Königsplatz auf ihren heutigen Standort, den Großen Stern, versetzt wurde 1907/1908 im Auftrag einer Bauträgergesellschaft, zu deren Gesellschaftern Angehörige der Fürstenhäuser Hohenlohe, Fürstenberg und Henckel von Donnersmarck gehörten, nach Plänen des Architekten Otto Rehnig an der Bellevuestraße errichtet. Das Gebäude gehörte dem Baustil nach zur Belle Epoque; die Gestaltung der Räume enthielt Elemente des Neobarock und des Neorokoko. Das Hotel hatte mehrere prachtvolle Säle, darunter den Kaisersaal.
Manfred Brückels, CC BY-SA 3.0
Der Nollendorfplatz ist mit einer weitläufigen Straßenkreuzung ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Hauptstadt. Ab 1864 trug das Areal den Namen der Ortschaft Nollendorf, Schauplatz der Schlacht bei Kulm und Nollendorf, und wurde 1880 als Platz auf der Grenze zwischen der damaligen Stadt Charlottenburg und der Gemeinde Schöneberg angelegt. Sein ursprünglicher Charakter als typischer Berliner Schmuckplatz des 19. Jahrhunderts und Teil des Generalszugs ist heute nicht mehr erkennbar.
Das Neue Schauspielhaus, auch als Theater am Nollendorfplatz, Metropol und Goya bekannte ehemalige Theater, ist neben dem Hochbahnhof der U-Bahn das markanteste Gebäude am Nollendorfplatz 5 im Berliner Ortsteil Schöneberg. Errichtet wurde es 1905/1906 als Neues Schauspielhaus mit Theatersaal und Konzertsaal von der Firma Boswau & Knauer. Der Autor und Theaterdirektor Herman Haller führte das Theater am Nollendorfplatz von 1914 bis 1923. Erwin Piscator eröffnete darin von September 1927 bis September 1928 die Piscator-Bühne. In der Nachkriegszeit beherbergte es lange ein Kino und die Diskothek Metropol.
Die Motzstraße verläuft über rund 1,5 Kilometer vom Berliner Ortsteil Wilmersdorf am Prager Platz über den Viktoria-Luise-Platz bis zum Nollendorfplatz im Ortsteil Schöneberg.Namenspatron der Straße war der ehemalige preußische Finanzminister Friedrich von Motz. Der in Schöneberg liegende Abschnitt erhielt seinen Namen von einer im Juli 1870 bekanntgegebene Kabinettsorder. Der 1870 einbezogene östliche Abschnitt zwischen Nollen-dorfplatz und Kurfürstenstraße wurde 1934 in Mackensenstraße umbenannt. Da August von Mackensen Förderer Adolf Hitlers war, gab es in den 1990er Jahren eine längere politische Kontroverse um eine Umbenennung; seit 1998 heißt dieser Teil Else-Lasker-Schüler-Straße nach der deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler, die 1924–1933 in der Straße wohnte, allerdings auf der anderen Seite des Nollendorfplatzes.
Das Gebiet des heutigen Lützowplatzes lag bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet der kreisfreien Stadt Charlottenburg. Von 1845 bis 1850 wurde der ehemalige Landwehrgraben von den größeren, über 22 Meter breiten und auf Höhe des späteren Lützowplatzes etwas nach Süden verlegten Landwehrkanal ersetzt. Martin Gropius war 1858 mit der Villa Heese unter den ersten Architekten, die die Umgebung des heutigen Lützowplatzes bebauten. Im Jahr 1861 wurde das Gebiet um den heutigen Lützowplatz nach Berlin eingemeindet und nach dem 1862 in Kraft getretenen Hobrecht-Plan entwickelt. 1867 begann die Bebauung des nach dem Gärtnerei- und Gutsbesitzer Georg Friedrich Kielgan auch Kielgan-Viertel genannten Stadtviertels zwischen Nollendorfplatz und Lützowstraße mit Wohnhäusern und Villen, und der Platz erhielt am 23. November 1869 im Zusammenhang mit der Benennung von Plätzen und Straßen des etwas südlich verlaufenden Generalszuges den Namen des 35 Jahre zuvor verstorbenen Freiherrn Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow, der auch in der Nähe gewohnt hatte. Der Lützowplatz diente längere Zeit als Lagerplatz für Kohlen und Holz, bis er schließlich von 1889 bis 1890 von den Bau der Herkulesbrücke an den Großen Tiergarten angebunden wurde. 1900 wurde der Platz von Hermann Mächtig gärtnerisch gestaltet und erhielt am 11. Oktober 1903 an seinem nördlichen Ende den vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann und Bildhauer Otto Lessing gestalteten, monumentalen Herkulesbrunnen.
Das Grand Hotel Esplanade am Potsdamer Platz gehörte vor und während der Goldenen Zwanziger Jahre zu den berühmtesten Hotels Berlins. Es wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff zerstört. Im Jahr 1988 wurde ein neues Grand Hotel Esplanade am Lützowufer eröffnet. Das Hotel wurde 1907/1908 im Auftrag einer Bauträgergesellschaft nach Plänen des Architekten Otto Rehnig an der Bellevuestraße errichtet. Das Gebäude gehörte dem Baustil nach zur Belle Epoque. Die Gestaltung der Räume enthielt Elemente des Neobarock und des Neorokoko. Das Hotel hatte mehrere prachtvolle Säle, darunter den Kaisersaal. Kaiser Wilhelm II. veranstaltete hier seine exklusiven Herrenabende. Als besondere Attraktion galt auch der 1600 m² große Garten im Innenhof des Hotels.
Herkulesbrücke ist eine Bezeichnung, mit der nacheinander zwei Berliner Brücken an verschiedenen Standorten benannt worden sind. Der Name ist abgeleitet von den Skulpturen, die als Brückenschmuck dienten. Die vorhandene Herkulesbrücke im Ortsteil Tiergarten verbindet den Straßenzug Klingelhöfer Straße über den Landwehrkanal am Kanalkilometer 3,00 nach Süden mit dem Lützowplatz und den angeschlossenen getrennten Fahrbahnen der Schillstraße. Der Königsgraben war Teil der Berliner Festungsanlagen, die schon zu Anfang des 18. Jahrhunderts militärisch sinnlos geworden waren und ab 1735 schrittweise beseitigt wurden. Er mündete nahe der Westspitze der heutigen Museumsinsel in die Spree. An dieser Stelle verband seit 1749 eine hölzerne Brücke, die Neue Friedrichsbrücke oder Monbijoubrücke, das Kerngebiet Berlins über den Königsgraben hinweg mit dem Schloss Monbijou und mit der Spandauer Vorstadt (auch: Spandauer Viertel) außerhalb der alten Stadtgrenze.
1787/88 entstand anstelle der Holzbrücke eine steinerne Gewölbebrücke, etwa gleichzeitig mit mehreren anderen Schmuckbrücken im Berliner Stadtgebiet. Dieses zuweilen Simsonbrücke, meist aber Alte Friedrichsbrücke oder Herkulesbrücke genannte Bauwerk war 26 m lang und 11,50 m breit, der Entwurf stammte von dem Architekten Carl Gotthard Langhans. Die künstlerische Ausschmückung vom Bildhauer Johann Gottfried Schadow war 1791 beendet. Hauptelemente des plastischen Schmucks waren zwei überlebensgroße Sandstein-Skulpturen nach Motiven der griechischen Mythologie, die beiderseits über den Mittelpfeilern der Brücke platziert waren – Herkules im Kampf mit einem Kentauren, von Schadow entworfen und ausgeführt, und Herkules im Kampf mit dem nemëischen Löwen, nach einem Entwurf von Schadow von Conrad Nicolas Boy (1753–1793) ausgeführt. Der Königsgraben wurde zugeschüttet, die zugehörigen Brücken verschwanden.
Manfred Brückels, CC BY-SA 3.0
Die Herkulesbrücke wurde 1890 abgebrochen, als unmittelbar daneben der S-Bahnhof Börse schon in Betrieb. 1934 war der Zustand der Skulpturen so bedenklich geworden, dass sie in das Depot des Deutschen Museums verbracht wurden und 1935 von Kopien ersetzt werden mussten. Die Brücke wurde im Verlauf des Zweiten Weltkrieges gesprengt, die meisten Skulpturen wurden dabei zerstört. Das Original der Gruppe Herkules im Kampf mit den Kentauren gilt seit dem Kriegsende als verschollen. Die Gruppe mit dem nemëischen Löwen erlitt Schäden, blieb jedoch erhalten, wurde restauriert und steht seit den 1990er Jahren im Köllnischen Park hinter dem Märkischen Museum. Die zerstörte Brücke wurde 1950 von einer dreispurige Stahlbetonbrücke ersetzt. 1962/64 entstand nur wenige Meter daneben als ebenfalls dreispurig befahrbare Gegenfahrbahn ein Spannbetonbau. Der völlig schmucklose Neubaukomplex heißt wie zuvor Herkulesbrücke. Direkt am Lützowplatz steht die Bronzeskulptur Herkules und der erymanthische Eber von Louis Tuaillon. Mit diesem Motiv wird eine gedankliche Verbindung zu dem früheren Brückenschmuck hergestellt, aber auch zu einem nicht mehr vorhandenen Herkulesbrunnen an dieser Stelle.
Eisenacher, CC BY-SA 3.0
Das Bauhaus-Archiv, Museum für Gestaltung in Berlin-Tiergarten sammelt Arbeiten, Dokumente und Literatur, die in Zusammenhang mit dem Bauhaus stehen, und macht sie der Öffentlichkeit zugänglich. Die Sammlung ist die weltweit umfangreichste der Bauhausschule. Das Bauhaus-Archiv wurde 1960 von Hans Maria Wingler in Darmstadt gegründet. Walter Gropius und andere Bauhaus-Angehörige unterstützten das Vorhaben. Die Sammlung wuchs schnell, man dachte an ein eigenes Museumsgebäude und fragte bei Gropius an, ob er den Entwurf dafür übernehmen würde. So entstanden die Pläne für ein neues Museum auf der Darmstädter Rosenhöhe, das sich aber kommunalpolitisch schließlich nicht umsetzen ließ.
Auf einem seiner Berlin-Besuche gelang es Gropius, den damaligen Bausenator Rolf Schwedler für das Bauhaus-Archiv zu interessieren. Der Senat von Berlin war bereit, Grundstück und Geldmittel für den Museumsbau zur Verfügung zu stellen. 1971 bezog das Bauhaus-Archiv eine vorübergehende Unterkunft in Berlin. Die Anpassung der Baupläne an das Grundstück am Landwehrkanal, aber auch politische Entscheidungen und finanzielle Engpässe verzögerten das Projekt. Erst 1976 konnte der Grundstein gelegt werden, 1979 wurde der Neubau übergeben. An Gropius´ Entwurf von 1964 erinnert die markante Silhouette der Shed-Dächer, darüber hinaus gibt es nicht mehr viele Gemeinsamkeiten. 1997 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt. 2014 ließ sich das Bauhaus-Archiv eine eigene Schrift entwickeln, die dem Gebäude und allen Veröffentlichungen eine unverwechselbare Handschrift geben soll. Sie heißt bayer next und wurde nach Herbert Bayer benannt.
→ Friedenau
Quellen
Dieser Text entstammt aus Aufzeichnungen aus dem Nachlass von Heinz Plaetrich, der in Südwest-Berlin aufwuchs und von 1934 bis 2016 lebte. Die Aufzeichnungen entstanden etwa zwischen 2005 und 2015 und wurden für die Veröffentlichung nur sachte redaktionell angepasst.
Dieser Artikel basiert in großen Teilen auf Auszügen thematischer Wikipedia-Artikel, die zusammengefasst und neu strukturiert wurden. Wörtliche Zitate sind nicht kenntlich gemacht.
